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Jugendpfarrgemeinderäte im Interview

Kurz vor Abschluss ihrer fünfjährigen PGR-Periode ziehen sechs JugendpfarrgemeinderätInnen Resümee. Ulrich Schilling und Sara Daxberger haben sie über ihre Erfahrungen, Meinungen und Tipps für die kommende PGR-Periode interviewt.

Johanna Mayerhofer (25), Pfarre Langschlag

Welche Erfahrungen hast du in der laufenden PGR-Periode gemacht?
Meine Erfahrungen während meiner PGR Periode waren sehr spannend und positiv. Aus beruflichen Gründen schaffte ich es zwar nicht so häufig mitzuarbeiten, doch trotzdem versuchte ich so oft wie möglich an PGR Sitzungen teilzunehmen oder den PGR mit meinen musikalischen Fähigkeiten bei diversen Veranstaltungen zu unterstützen.
Meine Tätigkeit bestand also eher mehr aus kleinen unterstützenden Tätigkeiten, wie zum Beispiel gemeinsam mit der Pastoralassistentin die Passion zu lesen oder die Vorbereitung und Durchführung des Kinderkreuzwegs.
Von Beginn an sind mir im PGR die Gemeinschaft und der Zusammenhalt aufgefallen. Obwohl wir manchmal auch vor Herausforderungen gestanden sind, fehlte es nie an Wertschätzung, Humor und gegenseitiger Unterstützung.
Die Zeit im PGR war für mich persönlich eine wertvolle, manchmal herausfordernde und auch bereichernde Zeit.

Findest du es wichtig, dass ein/e Vertreter/in der Jugend Mitglied des Pfarrgemeinderats ist? Warum?
Ich persönlich finde es durchaus wichtig, dass die Jugend im Pfarrgemeinderat vertreten ist. Da eine andere Meinung und Perspektive in den PGR kommt. Außerdem bekommt man einen spannenden Einblick in die pfarrlichen Aktivitäten und Arbeiten und dadurch womöglich ein anderes Bild von Kirche.

Welche wichtigen Tipps möchtest du einem neu gewählten Jugend-PGR mit auf den Weg geben?
Einfach darauf einlassen und sich überraschen lassen :-)


Michaela Haider (26 Jahre), Pfarre Sieghartskirchen

Welche Erfahrungen hast du in der laufenden PGR-Periode gemacht?
Ich habe mich für die letzte Periode als Pfarrgemeinderätin aufstellen lassen, da ich schon in der vorherigen Periode ebenfalls tätig war. Dies kam durch die Leitung der Jungschargruppe zustande. Diese Gruppenstunden regelmäßig statt, wir haben auch größere Angebote (Oster- und Weihnachtsbasteln, Ferienspiel der Marktgemeinde, Erntedankfest), die alle Kinder unserer Pfarre besuchen können, nicht nur jene, die auch in Gruppenstunden kommen. Zu unserer Freude sind einige Kinder schon sehr lange in unseren Stunden, bzw. würden auch weiterhin kommen, wenn nun eine eigenständige Jugendgruppe zustande käme - was bisher noch nicht umgesetzt werden konnte. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Eine Herausforderung wird sicherlich sein, diese Gruppe weiterzuführen, ohne Kinder zu verlieren. Bereichernd sicherlich, neue Gesichter dazuzugewinnen.

Findest du es wichtig, dass ein/e Vertreter/in der Jugend Mitglied des Pfarrgemeinderats ist? Warum?
Ich finde es sehr wichtig, junge Pfarrgemeinderäte unter den Kandidaten zu haben. Viele Erwachsene können sich, auch wenn sie Kinder haben, nicht unbedingt in jeder Situation in die eines jungen Menschen hinein versetzten. Damit bekommt der junge Anteil der Pfarrgemeinde ein Sprachrohr. Natürlich wird durch den Einsatz junger Pfarrgemeinderäte auch der Kontakt zu jungen Angehörigen der Pfarrgemeinde erleichtert.

Welche wichtigen Tipps möchtest du einem neu gewählten Jugend-PGR mit auf den Weg geben?
Die Verantwortung ist groß und sie lässt sich leichter tragen, wenn man die "Last" auf mehrere Schulter verteilt. Helfer, egal für welchen Bereich, sind unbedingt nötig. Diese Helfer müssen nicht gewählte PGR sein, es reicht die Freude an der Gemeinschaft, an der Mitarbeit und am gemeinsamen Erleben des Glaubens. Wenn man kleine Aufgaben aufteilen oder deligieren kann, ist oft schon viel geholfen. Man muss nicht unbedingt jeden Handgriff selbst erledigen.


Agnes Bayer (26), Pfarre St. Pölten-Maria Lourdes

Welche Erfahrungen hast du in der laufenden PGR-Periode gemacht?
Eine der wichtigsten Erfahrungen im PGR, war Durchhaltevermögen zu beweisen, nicht gleich nach dem ersten Versuch aufzugeben auch wenn alle auf einen einreden. Ein gelungener Punkt ist sicherlich, durchgesetzt zu haben, dass auch die Kinder- und Jugendarbeit Regeln für alle braucht und nicht nur von Ausnahmen leben kann. (z.B. gleiche Voraussetzung für alle die zum Ministrieren beginnen möchten)

Findest du es wichtig, dass ein/e Vertreter/in der Jugend Mitglied des Pfarrgemeinderats ist? Warum?
Ich finde es extrem wichtig, dass ein Vertreter der Jungend im Pfarrgemeinderat ist, denn es hilft dem Satz „DIE JUGEND MACHT JA NIE WAS“ vorzubeugen und zu zeigen dass sich auch die Jugend engagiert und viel Zeit in das Pfarrleben investiert.

Welche wichtigen Tipps möchtest du einem neu gewählten Jugend-PGR mit auf den Weg geben?
Immer die Ruhe bewahren, sich nicht zu viel ärgern und aufregen und vor allem konsequent sein und bleiben.


Michael Hammerl (21), JPGR in der Schönbach

Welche Erfahrungen hast du in der laufenden PGR-Periode gemacht?
Im Laufe meiner ersten PGR-Periode habe ich gelernt, dass man zusammen in der Gemeinschaft einfach mehr erreichen kann. Durch gemeinsames Planen und Durchführen von Veranstaltungen und Projekten in der Gruppe konnten wir uns mit unseren Talenten und Fähigkeiten einbringen und dadurch unsere Ziele erreichen.

Findest du es wichtig, dass ein/e Vertreter/in der Jugend Mitglied des Pfarrgemeinderats ist? Warum?
Dass die Jugend im PGR vertreten ist, finde ich sehr wichtig, schließlich sind Kinder und Jugendliche ein Teil der Pfarrgemeinde. Das Miteinbeziehen von verschiedenen Ideen, Erfahrungen und Meinungen aus verschieden Altersgruppen gehört meiner Ansicht nach zur Aufgabe des Pfarrgemeinderates.

Welche wichtigen Tipps möchtest du einem neu gewählten Jugend-PGR mit auf den Weg geben?
Manchmal müssen Dinge einfach ausprobiert werden - um im Nachhinein entscheiden zu können, was gut und vielleicht nicht so toll funktioniert hat. Oft reichen kleine Impulse aus, um etwas Größeres entstehen zu lassen.


Tamara Reitbauer (18), JPGR in der Pfarre Amstetten-St. Stephan

Welche Erfahrungen hast du in der laufenden PGR-Periode gemacht?
Ich bekomme viel Unterstützung vom PGR bei der Umsetzung meiner Idee und bekomme viele neue Ideen!

Findest du es wichtig, dass ein/e Vertreter/in der Jugend Mitglied des Pfarrgemeinderats ist? Warum?
Ich finde es wichtig, dass Jugendliche im PGR sind, unter anderem deswegen, weil man durch Jugend im PGR Ideen für die Kirchengemeinde sammeln kann, um Jugendliche in die Pfarre zu bringen und neue Ideen zu finden.

Welche wichtigen Tipps möchtest du einem neu gewählten Jugend-PGR mit auf den Weg geben?
Sie sollen sich trauen dagegenzureden. Es ist wichtig nicht nur das "Mädchen für alles" und alles zu machen was einem aufgetragen wird. Außerdem soll man seine eigenen Ideen einbringen und vertreten!


Isabella Bruckner (24), JPGR in der Pfarre Ferschnitz

Welche Erfahrungen hast du in der laufenden PGR-Periode gemacht?
Ich war und bin sehr gerne im Pfarrgemeinde-Rat, einerseits weil man so den Leuten in der Pfarre näher kommt und weil ich es immer cool gefunden habe, als verantwortliches Mitglied ernst genommen zu werden aber auch mitzuwirken. Besonders geschätzt habe ich u.a. die kollegiale Planungskultur bei den Sitzungen und das motivierte Zusammenhelfen und Anpacken bei den Veranstaltungen selbst - allles für das bessere Miteinander unserer Gemeinde. Schön war natürlich auch immer die Geselligkeit, besonders bei den Klausurtagen, wo man mehr Zeit mit den anderen Pfarrgemeinderäten verbringt und ins Reden kommt. Da es außerhalb der Jungschar bei uns in der Pfarre nicht wirklich beteiligte Jugendliche gibt, habe ich mich vor allem für diese Untergruppe als Sprachrohr gefühlt bzw. versucht, Relevantes an die Jungscharleute weiterzuleiten.
Nach und nach wurde ich immer mehr ins pfarrliche Leben eingebunden und habe verschiedenste Dienste übernommen. Für die Erfahrungen, die ich mit den Gemeindemitgliedern dabei machen durfte und auch für die Fähigkeiten, die ich mir im Tun erworben habe (zB Vorsingen im Gottesdienst, Ideen zur Liturgiegestaltung, Gestalten von Homepages, Mut bei Diskussionen den Mund aufzumachen usw.), bin ich wirklich sehr dankbar.
Was ich jetzt vielleicht ein wenig kritischer bedenke, ist, dass ich eigentlich immer nur das (mit-)gemacht habe, was es halt in unserer Pfarre schon immer gegeben ist. Mir fehlte die Differenz-Erfahrung durch den Kontakt mit anderen Pfarren/Kirchen. Erst durch meinen Zweitwohnsitz in Wien und das Reflektieren im Theologiestudium wurde mir bewusst, dass man manche Dinge ja auch anders machen könnte.

Findest du es wichtig, dass ein/e Vertreter/in der Jugend Mitglied des Pfarrgemeinderats ist? Warum?
Ich finde es extrem wichtig, dass es Jugendvertreter/innen in den PGRs gibt! Einerseits bietet es den jungen Menschen eine Chance in die Pfarrorganisation hineinzuschnuppern, "wie es da hinter den Kulissen zugeht". Die Pfarrgemeinde ist eben ein Ort, an dem Menschen aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten, diverser Ethnien (zumindest in der Stadt) und eben auch verschiedenster Generationen und Altersklassen aufeinandertreffen. Damit da wirklich comunio-Gemeinschaft entstehen kann und auch für alle ein bisschen "Programm" dabei ist, damit das Evangelium überhaupt ankommen kann, müssen die vielfältigen Stimmen nicht gehört werden, sondern auch in die Gemeindegestaltung aktiv miteinbezogen werden. Ich glaube nicht, dass man sich von einem Jugendpfarrgemeinderat oder einer Jugendpfarrgemeinderätin erwarten darf, dass er oder sie nun die Kirche wieder mit lauter jungen Leuten füllt, aber wenn auch jene keine Chance bekommen an der Gemeinschaft aktiv zu partizipieren und Verantwortung zu übernehmen, die schon motiviert da sind, dann wenden sie sich vielleicht frustriert wieder ab. Und grundsätzlich freut es, denke ich, nicht nur Kinder oder Jugendliche, andere junge Menschen an der Liturgie oder den Festen beteiligt zu erleben, sondern wirklich die ganze Gemeinde.

Welche wichtigen Tipps möchtest du einem neu gewählten Jugend-PGR mit auf den Weg geben?
Trau dich den Mund aufzumachen und deine Ideen kundzutun! Im schlechtesten Fall wird der Vorschlag in der Diskussion abgelehnt, aber mutige, kreative (was nicht bedeutet unrealistische), engagierte PGR-Mitglieder machen die ganze Pfarrgestaltung spannender.
Stell Fragen! Wenn dir etwas unklar ist, warum eine Sache (so) gemacht wird, dann trau dich und frag. Erstens lernst du etwas dazu und eventuell regst du damit sogar einen Reflexionsprozess über nicht mehr Zweckmäßiges an.
Lern zu delegieren! Nur weil du Pfarrgemeinerat/-rätin bist, heißt das nicht, dass du alles alleine machen musst. Du bist vor allem Leitungs- und Kommunikationsmitglied; du solltest ein Ohr beim Volk/bei den Jugendlichen haben - dafür was die bewegt/wünschen/an Ideen haben -, aber auch gewisse Dienste oder einfach Information an andere Gemeindemitglieder weitervermitteln. Super wäre es, wenn du es dadurch schaffst, dass sich die Jugendlichen wirklich durch die im PGR vertreten fühlen und so auch sie (durch dich/selbst) zu aktiven und gehörten Gemeindemitgliedern werden.